Dass Oracle Sun kauft hat mich zugegebenermaßen überrascht. Als IBM Sun kaufen wollte, war ich skeptisch ob da wirklich was draus wird. Und jetzt ist da auf einmal ORACLE und der Deal ist schon über die Bühne! Doch wie passen die Unternehmensmodelle zusammen?

Ein Monat zuvor hat Sun eine wichtige Erweiterung des Businessmodells vorgestellt. Lange Zeit fragte man sich wie Sun mit der Entwicklung freier Software Geld machen will. Jonathan Schwartz gab in seinem Blog die Antwort: Sun Cloud. And by the way, the network is the computer. Hat Sun ja schon immer gesagt. Alles machte auf einmal Sinn: Hardware, Java, Glassfish, MySQL, VirtualBox, OpenOffice und vielleicht sogar Solaris. Das Portfolio für ein überzeugendes Cloud Angebot. Freie Software für die möglichst weite Verbreitung und die Cloud um damit auch Geld zu machen. Eine win-win Situation: freie Software für alle und eine Cloud für diejenigen, die gerne bereit sind Geld dafür zu zahlen um diese Software in einer gemanagten Infrastruktur einzusetzen.

Dann kam der Deal mit Oracle. Zunächst muten die Unternehmen grundverschieden an: Während Sun inzwischen gnadenlos auf freie Software setzt, verkauft Oracle weiterhin hochpreisige Software. Zudem überlappt sich das technologische Portfolio stark: Oracle vs. MySQL, WebLogic vs. Glassfish, JDeveloper vs. Netbeans und JRockit vs. Sun’s Java VM. Würde Oracle den Cloud Gedanken weiterführen, wäre das vielleicht alles nicht so wichtig, denn in der Cloud könnte Oracle Alternativen für verschiedene Zielgruppen anbieten. Für etablierte Unternehmen mit entsprechendem IT Budget könnten eine Business App Cloud (Siebel&Co) und eine Oracle Fusion Middleware Cloud jeweils mit einer Oracle Datenbank angeboten werden. Und kleinere Unternehmen und Startups, welche mehr auf die Kosten schauen, könnten sich für die schlanke Glassfish Cloud mit MySQL entscheiden. Beides macht Sinn um möglichst viele Kundenbedürfnisse bedienen zu können und auch Einstiegsangebote anzubieten, die mit ihren Kunden mitwachsen können.

Meine Wetterprognose lautet also eindeutig bewölkt und somit sollte es keinen dramatischen Sonnenuntergang geben: Behind Every Cloud You’ll See the Sun.

PS.: Auch aus Sicht des ewigen Zweikampfes zwischen SAP und Oracle ist der Deal spannend, da SAP in den letzten Jahren Java als zweite technologische Plattform im SAP Stack aufgebaut hat.
PPS.: Hoffentlich übernimmt Oracle Glassfish 3 als neuen Application Server. Der WebLogic 10 mit Spring-inside, JEE Bugs und einer unreifen JPA Implementierung hat mich damals (noch zu BEA Zeiten) jedenfalls nicht überzeugt.

5 Antworten zu “Oracle und die Sun Cloud”
  1. Fred sagt:

    Also ich geh mal eher davon aus, daß Oracle so einiges einstampfen wird… Eben gerade weil die mit Open Source nicht viel am Hut haben. Die Qualität der Oracle-Datenbank hat ja auch stark nachgelassen. Ein Deal mit IBM wäre also meiner Meinung nach durchaus ein besserer gewesen.

  2. Markus Junginger sagt:

    Ich denke auch das Oracle Produkte konsolidieren und zusammenführen wird. Die Arbeit doppelt zu machen macht auf Dauer ja auch keinen Sinn. Dass MySQL aber eingestampft wird halte ich für sehr unwahrscheinlich. Dafür ist MySQL viel zu omnipräsent und die jetzigen MySQL Nutzer würden so oder so nicht einfach auf Oracle wechseln, eher auf PostgreSQL. Oracle macht schon auch etwas im OSS Bereich, z.B. auch bei JSF und EclipseLink, aber klar, längst nicht so wie Sun. Inwiefern haben Oracle DBs nachgelassen? Warum wäre IBM besser gewesen? Mir hätte Google am besten als Käufer gefallen. Von der Kultur und Offenheit hätte das ganz gut gepasst, denke ich.

  3. Daniel R. sagt:

    Durch den Zukauf von Sun wird sich bestimmt einiges im Server Bereich verändern. Solaris lässt sich bestimmt gut mit Oracle kombinieren… auch was Clouds betrifft.
    Vielleicht tut sich auch etwas auf dem EJB Gebiet. Oracle kann es zwar mit seinem Orion Server meiner Meinung nach nicht mit JBOSS aufnehmen, aber durch Sun hat Oracle einen starken Java Partner gefunden um seinen Application Server vielleicht auf Vordermann zu bringen.

  4. Markus Junginger sagt:

    Orion Server, war das nicht so um 2001? Aktuell ist ja WebLogic Oracle’s App-Server, aber auch der könnte einiges von GlassFish 3 lernen. ;)

  5. Daniel R. sagt:

    Oh, dann war ich wohl falsch informiert… ist schon ein Weilchen her :)