Samsung könnte mit dem Galaxy Tab ein großer Wurf gelungen sein. Wie bei keinem anderen Gerät zu zuvor sehe ich hier das Potential das erste Android Tablet für einen Massenmarkt zu werden. Dabei ist Samsung bei weitem nicht der einzige Hersteller mit neuen Android Tablets. Archos, der erste Anbieter von Android Tablets, hat auf der IFA fünf neue Modelle vorgestellt. Und auch andere Marken wie Toshiba, Viewsonic und Hannspree haben einige Tablets mit aktueller Hardware und aktuellen Android-Versionen gezeigt. Dennoch hebt sich Samsung’s Galaxy Tab von seinen Konkurrenten ab und könnte zu einem Meilenstein für Android Tablets werden.

Am Vorabend des offiziellen Launch des Galaxy Tab durfte ich es zum ersten Mal ausprobieren. Samsung hat dazu eine kleine Gruppe von Bloggern eingeladen, zu denen auch ich gehörte. Nach dem offiziellen Launch konnte ich meinen ersten Eindruck posten (englisch). Am Messestand und vor allem am Folgeabend könnte ich es eingehender untersuchen. Die dabei entstandenen Eindrücke habe ich in zwei Teile aufgeteilt: nach den positiven Seiten kommt eine Wunschliste was man in Zukunft besser machen könnte.

Das Galaxy Tab bietet eine Reihe von Vorzügen, die es in der Summe einzigartig machen:

  • Stimmiges Gesamtbild: Samsung scheint eng mit Google zusammengearbeitet zu haben um Hardware und Software perfekt aufeinander abzustimmen.
  • Android Market: Es ist eins der ersten Android Tablets, das mit Googles offiziellem App Markt ausgeliefert wird. Nur hier ist die ganze Fülle an Android Apps erhältlich.
  • Angepasste Apps: Wichtige Apps wie zum Beispiel Email, Kontakte und Kalender wurden auf speziell auf den größeren Screen angepasst und sind dank dem Zwei-Spalten-Layout sehr gut bedienbar.
  • Sehr gute Geschwindigkeit: Animationen sind ruckelfrei und Apps laufen flüssig. Für den Nutzer entstehen so gut wie nie unnötige Wartezeiten. Auch Spiele mit anspruchsvoller 3D Grafik laufen dank der flotten GPU flüssig.
  • Telefonfunktion: Man kann direkt mit dem Tablet telefonieren. Sogar Videotelefonie wird mit Frontkamera unterstützt. Am besten funktioniert das mit einem Headset, aber auch über das eingebaute Mikrofon und die Lautsprecher ist die Qualität sehr gut.
  • eReader: Apps für den Bezug von Zeitungen und Magazine sind gleich integriert.
  • Mobilität: Der Formfaktor ist ein guter Kompromiss aus großem Screen und Portabilität. Im Gegensatz zu 10 Zöllern kann es mit einer Hand gehalten werden und verbraucht wesentlich weniger Platz in der Tasche. Zur Not passt es auch mal in die hintere Hosentasche oder ins Jackett. Auch das Gewicht mit 380 Gramm ist ganz passabel.
  • Gelungenes Multitouch: Bis zu fünf Finger werden erkannt, welche völlig unabhängig voneinander getrackt werden. Gerade für ein Tablet mit etwas mehr Fläche ist diese Interaktionsmöglichkeit für Applikationen und Spiele interessant.
  • Browser: Der schnelle Browser ist gut auf die Bildschirmmaße angepasst. Auch Flashinhalte und -videos sind kein Problem.
  • Klares Display: Das 7 Zoll TFT macht einen gelungenen Eindruck mit einem klaren Schriftbild. Auch die Helligkeit ist sehr gut.
  • Virtuelle Tastatur: Die Größe macht die Tastatur gut bedienbar und die alternative Tastatur Swype ist ebenfalls vorinstalliert.
  • Zubehör: Es wird einiges an Zubehör für das Tablet geben: Dock, Tastatur, Fahrzeug-Dock, Taschen und ein Stylus.

Auch wenn Galaxy Tab keine großen Schwächen offenbart, aber es gibt es ein paar Kleinigkeiten, die noch verbessert werden könnten:

  • Android 2.2 Performance: Der erwartete Performance Schub durch den in Android 2.2 enthaltenen JIT Compiler blieb aus. Die Frage warum ist noch nicht geklärt. Details hier zu gibt es im Benchmark Artikel.
  • Anschlüsse: Nett wären zusätzliche USB und HDMI Anschlüsse gewesen um Tastaturen, Speichermedien und Fernseher direkt zu verbinden.
  • Kein iTunes-Pendant: Die Apps zum Erwerb von MP3s, eBooks und Magazinen sind noch nicht einheitlich. Ein integrierter Vertriebskanal für Filme und TV-Serien wie bei iTunes und das iPad fehlt noch komplett.
  • Single-Core: Sehr bald sind die ersten Dual-Core Android-Geräte zu erwarten. Insbesondere da Android ein ausgeprägtes Multitasking nutzt, wird die Dual-Core für einen noch flüssigeren Ablauf sorgen zu können. Die CPU des Galaxy Tab ist noch State-of-the-Art, aber die Frage ist wie lange noch.
  • Pixeldichte: Mit 170 dpi ist die Pixeldichte etwas höher als die mittlere Pixeldichte bei Android Smartphones (MDPI mit 160 dpi). Das ist für ein Tablet, das man etwas weiter weghält, schon sehr ordentlich. Die Schärfe ist beispielsweise dem iPad überlegen, aber für gestochen scharfen Text wäre eine Auslösung um die 240 dpi erforderlich.
  • SIM-Handling: Das Einsetzen und das Herausnehmen einer SIM Karte lösen einen sofortigen Reboot aus. Mein (Vorserien-)Testgerät hatte Probleme beim Erkennen der SIM-Karte: Nach ein paar Minuten war die SIM Karte nicht mehr verwendbar und musste mehrmals neu eingesetzt werden. Ein anderes Gerät hatte das Problem nicht; wahrscheinlich war es kein generelles Problem.
  • Kein Android Honeycomb: Es wird ein Update auf die nächste Android Version „Gingerbread“ geben, aber nicht auf die übernächste Version mit dem Namen „Honeycomb“.
  • Schwammige Aussagen zum Preis: Das Galaxy Tab soll primär subventioniert über Mobilfunkverträge verkauft werden. Hier gibt es noch keine Preisangaben.

Das Galaxy Tab hat das Potential zum Verkaufsschlager zu werden wenn der Preis stimmt. Neben den Mobilfunkverträgen soll das Gerät auch stand-alone erhältlich sein und dabei zunächst um die 700 Euro kosten. Im Vergleich zum iPad ist dieser Preis vielleicht gerechtfertigt. Da das Preis-/Leistungsverhältnis bei Samsung oft sehr gut ist, würde es mich nicht überraschen, wenn das Galaxy Tab sehr bald günstiger angeboten wird.
Insgesamt ist es verständlich wenn sich Samsung recht selbstbewusst mit den Worten „Jedes einzelne Feature des Galaxy Tab ist besser als beim iPad“ gibt (sehr frei übersetzt).

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