Nokia hat Trolltech gekauft, das Unternehmen hinter der plattformübergreifende Oberflächentechnologie Qt, der beispielsweise auch der Linux Desktop KDE zugrunde liegt. Etwas weniger bekannt aber im mobilen Zusammenhang noch spannender ist die Produktlinie Qtopia, die nicht nur Qt auf mobile/embedded Linux Geräte bringt. Vielmehr steckt auch eine komplette mobile Plattform mit einem Linux basierten Betriebssystem dahinter. Durch die Übernahme durch Nokia könnte vielleicht mittelfristig eine ernstzunehmende Konkurrenz für das Windows Mobile, der iPhone Plattform und auch Google Android entstehen. Damit hat sich Nokia auch klar gegen Android aufgestellt; es wäre jetzt eine große Überraschung wenn Nokia sich noch der Open Handset Alliance anschließen würde. Ein großer Vorteil von Nokia könnte dann die Portabilität von Anwendungen sein. So sinkt der Aufwand Anwendungen auf allen beliebten Desktop Systeme (nativ oder über Java) und eben auch mobile Geräte zu portieren, beziehungsweise gleich plattformunabhängig auszulegen. Strategisch macht das durchaus Sinn, finde ich und bin gespannt wie es weitergeht. Die gerade aufkommende Anzahl neuer mobiler Plattformen schreit fast nach einer Konsolidierung des Marktes. Aber erstmal wird es wohl noch ein paar Jahre Wettbewerb geben… Vielleicht schafft es Java ja doch noch als gemeinsamer Nenner (gegen Apple und Microsoft) – zumindest sieht die Qtopia Phone Edition auch eine Java Virtual Machine vor.

Siehe auch: heise, Golem, Trolltech Press Release, Nokia Press Release

3 Antworten zu “Nokia: neue mobile Plattform mit Qtopia?”
  1. Kaffeebohne sagt:

    Ich glaube weniger, dass Java im Fokus von Qtopia liegt.
    Qt ist traditionell C++ basiert auch wenn etwa Qt Jambi ermöglicht, Programme in Java zu schreiben, ist werden damit nicht Embeddedgeräte angepeilt (es gibt etwa auch noch kein Qtopia Jambi).
    Vielmehr bietet Qtopia (Core) ein sehr gutes Framework zur Applikationsentwicklung im Embeddedbereich. Daneben gibt es noch die Qtopia Phone Edition, welche auf Qtopia (Core) aufbaut und einen Mobiltelefonstack zur Verfügug stellt (sowie etwa PIM-Funktionalität), der etwa auf dem Neo1973 (OpenMoko) Telefonen läuft.
    Die Frage ist jetzt natürlich: Wie sieht Nokias Roadmap aus? Wenn sie sich von Symbian verabschieden und stattdessen auf Linux+Qtopia (vielleicht auch die Phone Edition) setzen wird es jedenfalls Bewegung geben. Gerade weil Qt sehr Entwicklerfreundlich ist (und letztlich auch schon kein C++ mehr ist dank dem MOC) ermöglichen sich hier neue Applikationen. Qt4.4 etwa mit dem Webkit Widget, dass dann wohl entgültig den mobilen Markt übernimmt (Android, iPhone, S60 ja auch schon halbherzig).

    Man kann jedenfalls sehr gespannt sein wie die künftige Entwicklung aussehen wird.

  2. Markus Junginger sagt:

    Danke für die Ergänzungen – hast Du selbst schon was Qtopia gemacht? Du hast Recht, Java ist da nicht besonders wichtig (auch nur JME, verschiedene Hersteller, etc.).

    Die Schwachstelle von Qtopia scheint mir die Verteilung neuer Applikationen zu sein, da diese meines Wissens nativ kompiliert sind. Wenn für jede Prozessor-Plattform eigens kompiliert und ein Packet gemacht werden muss, dann hat man gleich ganz andere Anforderungen an die Logistik, Betrieb und Wartung. Oder hat Qtopia hierfür schon eine Lösung?

  3. Kaffeebohne sagt:

    Ja, ich hab schon ein paar Sachen mit Qtopia gemacht.

    die plattformspezifischen Abhängigkeiten werden mit Qt/Qtopia jedoch sehr gut abstrahiert, so dass im Normalfall keine Änderungen am Code notwendig sind um die Applikation auf den unterstützten Plattformen zu betreiben.
    Und seien wir ehrlich – welche Prozessoren müssen noch unterstützt werden? Eigentlich nur ARM (und da dann höchstens dann noch die erweiterten Befehlssätze) im Embeddedbereich und x86 im Desktopbereich.
    Zudem bietet Qt ein eigenes Buildsystem (qmake) sowie eine erweiterte Fassung (qtopiamake) die direkt Crosscompiling unterstützt.
    Am Ende wirst du aber um Crosscompiling Grundwissen nicht herumkommen wie es scheint (ob nun Qtopia Phone oder S40/S60 Qt ;-) .

    Noch ein paar weitere Gedanken:
    Ich hab mir nochmal die Presseveranstaltung in voller Länge angehört.
    Momentan geht es Nokia darum Qt auf Symbian zu portieren. Wohlgemerkt NICHT Qtopia, wie von vielen behauptet wird. Qtopia ist eine Linux-basiertes Frambuffersystem und Nokia hat sich davon distanziert ein Linux Mobiltelefon zu machen.

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